 |
Die Ursache von Mundgeruch liegt am
häufigsten im Mundraum selber. Meist sind es gramnegative
Anaerobier, die vor allem die geruchsintensiven flüchtigen
Schwefelverbindungen und biogene Amine (Methylmercaptan) produzieren,
sich auf der Zunge sowie in den Zahn- und Zahnfleischnischen
festsetzen und somit den Mundgeruch verursachen. Deshalb sollte der
Zahnarzt der erste Ansprechpartner sein, den die Patienten bei diesem
Krankheitssymptom aufsuchen sollten. Nur er kann die Schlupfwinkel
von diesen fäulnisproduzierenden Mikroorganismen beispielsweise
unter schlecht sitzenden Zahnersatz, Zahnzwischenräumen oder
Zahnfleischtaschen wirklich erkennen und eine kausale Therapie
einleiten. Meist steht die Eleminierung der Anzahl solcher Bakterien
im Rahmen einer professionellen Zahnreinigung (PZR) an erster Stelle.
Bei Prothesenträgern sollte unbedingt auch regelmäßig
eine Reinigung und Politur des Kunststoffanteils vom
Zahnersatz zusätzlich zur PZR erfolgen, um potentiell
geruchsbildende Oberflächen auszuschalten. In vielen Fällen ist
auch eine adjuvante Therapie mit Mundspüllösungen indiziert, die
den Stoffwechsel geruchsaktiver Bakterien eindämmen bzw.
inaktivieren und gleichzeitig geruchsintensive Verbindungen
neutralisieren. Die Häufigkeit der Anwendung solcher
Mundspüllösungen ist abhängig vom Schweregrad der Erkrankung. Auch
Stress kann in diesem Zusammenhang mit den erwähnten Mikroorganismen
durch Verminderung der Speichelproduktion („..da bleibt mir ja die
Spucke weg...") Mundgeruch verursachen.
Die Erkennung und Behandlung von
Mundgeruch ist in prophylaxeorientierten Zahnarztpraxen in der Regel
im Vorsorgeprogramm gegen Parodontitis und Karies häufig schon
integriert.
Was können Sie
gegen Mundgeruch tun?
-
auf gründliche Mundhygiene achten
(Zähne, Zwischenräume mit Zahnseide u. Zunge reinigen)
-
regelmässig zum Zahnarzt gehen
und am Vorsorgeprogramm (PZR) teilnehmen
-
übermässigen Kaffee-, Alkohol-
und Zigarettenkonsum einschränken
-
Entzündungen z. B. am Magen,
Mandeln etc. ursächlich behandeln lassen
-
viel Trinken (Wasser, Tee,
verdünnte Säfte), zuckerfreie Kaugummis kauen
-
auf ausgewogene Ernährung achten
(Obst, Gemüse, Balaststoffe)
-
Stoffwechsel- u. Magen-
Darmerkrankungen durch den Hausarzt ausschliessen lassen
-
Stress abbauen
-
ggf. Chlorophyll-Dragees in der
Apotheke besorgen
Genau jene Bakterien, die Mundgeruch
verursachen, sind auch bei der Entstehung und Ausbreitung von
Parodontitis beteiligt und können den gesamten Organismus befallen.
Parodontitis ist deshalb auch eine Infektionskrankheit, wobei der
Infektionsherd nicht offenkundig wie bei einer entzündeten
Schürfwunde sichtbar ist, sondern tief versteckt in den
Zahnfleischtaschen schlummert.
Die Freisetzung solcher Bakterien
ausgehend von einer Parodontitis können sogar Schädigungen an den
Gefässen bewirken und steigern z. B. das Risiko einen Herzinfarkt zu
erleiden um das 1,5 fache. Aktuelle Erkenntnisse belegen sogar einen
Zusammenhang zwischen den Risiken untergewichtiger Frühgeburten und
Parodontitis. Deshalb sollte für Frauen mit ausgeprägten
Kinderwunsch der Gang zum Zahnarzt genauso so selbstverständlich
werden wie die Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt. Zuallerletzt
sei noch der wichtige Zusammenhang von Diabetes und Parodontitis
erwähnt. Diabetiker haben eine herabgesetzte Immunabwehr, die sich
u.a. auch am Zahnfleisch durch eine erhöhte Entzündungsneigung
bemerkbar macht. Umgekehrt wurde beobachtet, dass sich der Zuckerwert
sehr viel besser bei behandelter als bei einer unbehandelten
Parodontitis einstellen lässt. Beim Aufeinandertreffen dieser beiden
Volkskrankheiten besonders im Seniorenalter sollte immer eine
interdisziplinäre Ausschlussdiagnostik zwischen Zahn- und Hausarzt
erfolgen.
Die Behandlung einer Parodontitis
verläuft immer nach einem standardisierten Schema wie folgt ab.
-
professionelle Zahnreinigung
-
Vorbehandlung (Füllungen glätten
bzw. austauschen)
-
Konkremententfernung und
Wurzelglättung sowie Politur
-
Erfolgskontrolle und ggf.
weiterführende Massnahmen
-
engmaschiges Recall (Kontrolle)
Weiterführende Massnahmen können dann
erforderlich werden, wenn durch die bisherigen Anwendungen keine
wesentliche Besserung erreicht werden konnte. Dazu zählen die
Keimbestimmung, chirurgische Eingriffe, der Einsatz von
unterstützenden Desinfektionssubstanzen meist in der Form von
Mundspüllösungen, die adjuvante Antibiotikagabe, aber auch nur die
Korrektur bzw. Erneuerung von defekten Zahnersatz. Überbelastungen
und unhygienische Nischen können beispielsweise von falsch geplanten
bzw. angefertigten Zahnersatz ausgehen und somit Schädigungen an
einzelnen Zähnen oder am gesamten Gebiss fast unbemerkt hervorrufen.
Deshalb muss bei der PA-Diagnostik immer zeitgleich der Zustand und
die Prognose des vorhandenen Zahnersatzes kritisch beurteilt werden.
Hochqualitativer Zahnersatz im parodontal-saniertem Gebiss trägt in
der Regel zur Stabilisierung der Restbezahnung bei und vermindert
somit das Risiko des weiteren Zahnverlustes.
|
 |